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Wie bedenklich ist Teflon

Teflon ist allgegenwärtig. Es dient als Antihaftbeschichtung auf Pfannen oder lässt unsere Regenkleidung Wasserundurchlässig werden. Dich was ist eigentlich Teflon, und wie schädlich ist es wirklich?

Die Geschichte des Teflon

Teflon ist der Handelsname für den Kunststoff Polytetrafluorethylen (PTFE). Das weiße Pulver wurde 1938 zufällig von dem Chemiker Roy Plunkett entdeckt, als er einen Kühlapparat entwickeln wollte. Vor genau 80 Jahren, am 4. Februar 1941 erhielt er dafür das Patent US 2230654 A. Sein früherer Arbeitgeber, die Chemiefirma DuPont (inzwischen Chemours), vertreibt bis heute dieses Material.

Die Wissenschaftler wussten zuerst gar nicht, was sie mit dem neu entdeckten Stoff anstellen sollten, da der neue Kunststoff sehr viele ungewöhnliche Eigenschaften hatte: Nicht brennbar, sehr reaktionsträge, äußerst beständig und mit einem sehr geringen Reibungskoeffizienten. Alles perlt an ihm ab. Von der Idee einer Pfannenbeschichtungen waren sie noch weit entfernt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde als Korrosionsschutz für Atombomben verwendet. Auf die Idee, PTFE als Antihaftbeschichtung für Pfannen zu benutzen, kam 1954 Colette Grégoire. Angeblich kam ihr die Idee, als ihr Mann Marc Grégoire damit seine Angelschnur beschichtete, um sie besser entwirren zu können. Und so erhielten die beiden das entsprechende Patent und gründeten die Firma Tefal.

Heute wird Teflon nicht nur als Antihaftbeschichtung von Pfannen und Töpfen eingesetzt, es findet auch Einsatz z.B. in der Raumfahrt als Hitzeschutz für Kabel und Raumanzüge oder als Grundstoff der Gore-Tex-Membranen, die für Outdoor-Bekleidung verwendet werden.

Auch in Kleidungsstücken, Dichtungen, Medizintechnik wie Implantaten, Brillengläsern, in Raumfahrzeugen, auf Gitarrensaiten und in Mikrochips steckt Teflon heutzutage.

Was ist Teflon

Polytetrafluorethylen (PTFE, Teflon) ist ein unverzweigtes, linear aufgebautes, teilkristallines Polymer aus Fluor und Kohlenstoff (Bild 1). 

Bild 1: chemische Struktur des PTFE (Bildquelle fu-berlin.de)

PTFE ist ein außerordentlich chemikalienfester und temperaturbeständiger Thermoplast (Kunststoff), der durch Polymerisation von Tetrafluorethylen erhalten wird. Die wasser- und fettabweisenden Eigenschaften verhindern z. B. ein Anhaften von Lebensmitteln, die in mit PTFE beschichtetem Kochgeschirr erhitzt werden.

Wie schädlich ist Teflon

Toxizität

PTFE (Teflon) ist nur dann bedenklich, wenn es unsachgemäß verwendet wird. Es ist bei niedrigeren Temperaturen zwar stabil und ungiftig, beginnt sich jedoch ab einer Temperatur von etwa 360 °C merklich zu zersetzen (Pyrolyse). Dabei entstehen giftige gasförmige Zersetzungsprodukte (COF2), welche beim Menschen zu grippeähnlichen Symptomen führen können (Bild 2).

Bild 2: Das Verhalten von PTFE bei unterschiedlichen Erwärmungstemperaturen und die toxischen Wirkungen freigesetzter Produkte (Quelle: PTFE-coated non-stick cookware and toxicity concerns: a perspective)

Das sagt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR):

Mit PTFE beschichtetes Geschirr sollte nicht überhitzt werden, weil es dabei (ab ca. 360 °C) zu einer beginnenden Zersetzung des Polymers kommen kann, bei der – ohne Rauchentwicklung – giftige Substanzen an die Umgebungsluft abgegeben werden. Mit PTFE beschichtetes Geschirr sollte daher nie ohne Inhalt hoch erhitzt werden. Besondere Vorsicht ist bei Induktions- und Gasherden geboten, da hier eine sehr schnelle Erhitzung stattfinden kann.

Quelle: BFR – Ausgewählte Fragen und Antworten zu Geschirr mit Antihaftbeschichtung aus PTFE für das Braten, Kochen und Backen

Problematik bei der Herstellung

Bei Herstellung von PTFE werden oft andere Organofluorverbindungen als Hilfsstoffe (z. B. Emulgatoren, Farbmittel oder Füllstoffe) wie PFOA (Perfluoroktansäure) oder GenX (2,3,3,3-Tetrafluor-2-(heptafluorpropoxy)propionsäure (HFPO-DA)) bzw. verwandte Substanzen verwendet, die in der Nähe von Industriestandorten bereits zu Belastungen von Wasser und Böden geführt haben. Prinzipiell könnten aus der Produktion noch Rückstände dieser gesundheitsschädlichen Substanzen in der Pfanne enthalten sein.

Der Hilfsstoff PFOA zum Beispiel gilt als krebserregend und kann bei einer Überhitzung der Pfanne ausdampfen. PFOA und andere PFAS (per- und polyfluorierten Alkylverbindungen) sind extrem langlebig und werden deswegen auch als „Forever Chemicals“ bezeichnet und können beispielsweise über die Nahrungskette wieder in unseren Körper gelangen. In Deutschland waren fast alle Kinder, die in einer Studie des Umweltbundesamtes untersucht wurden, mit PFOA belastet.

Was bedeutet PFOA frei bei Pfannen

Bei dem Hinweis „PFOA-frei“ handelt es sich „nur“ um einen Teilverzicht auf Fluorcarbone – denn PFOA (Perfluoroctansäure) ist lediglich eine, wenn auch besonders brisante, Verbindung dieser Gruppe. Bedeutet, dass all die 100 anderen PFC-Verbindungen trotzdem enthalten sein können. . In vielen Fällen wird dann ein anderes fluoriertes Hilfsmittel wie GenX zur Produktion verwendet.

Wie erkenne ich PTFE Antihaftbeschichtungen bei Pfannen?

Die meisten Pfannen sind heutzutage mit PTFE beschichtet. Wer Alternativen ohne PTFE sucht, hat es oftmals schwer, hinter all den verrückten Markennamen PTFE zu erkennen. Deshalb habe ich hier ein paar Bezeichnungen aufgelistet, hinter denen sich PTFE versteckt:

Herkömmliche Bezeichnungen für Antihaftbeschichtungen auf Teflon-Basis:

  • GREBLON® C3+ PEEK
  • GREBLON® C3+ PRO
  • GREBLON® C3+ (keramisch versärkt)
  • GREBLON® C3
  • GREBLON® C2+ (keramisch versärkt)
  • GREBLON® C2
  • Ilag non stick basic (CORFLON® Ultra)
  • Ilag non stick premium (DURIT® Select pro)
  • Ilag non stick ultimate (DURIT® Protect Pro, ultimate HL, Resist, Granitec, Granistone)
  • Ilag non stick Granitec (DURIT® Granitec HL)
  • Ilag non stick Granistone (DURIT® Granistone HL)
  • Ilag non stick special (DURIT® Dynamic)
  • Ilag non stick professional (DURIT® Professional S, Professional P)
  • WMF PermaDur

Teflon Bezeichnungen mit Verwechslungsgefahr

Keramisch verstärkt/mit Titan verstärkt

Bei den Bezeichnungen „keramisch verstärkt“ oder „mit Titan verstärkt“ handelt es sich nicht um eine reine keramische oder titanische Antihaftbeschichtung, sondern um eine auf PTFE-basierte Beschichtung, die mit Keramik- oder Titan-Partikeln verstärkt wurde.

Leider kommt es öfter zu Verwechslungen beider Beschichtungen. Selbst Drogerien oder Discounter wissen oft nicht genau, was sie da verkaufen. Daher bei Unklarheiten am besten immer beim Hersteller direkt anfragen, ob die Beschichtung PTFE frei ist.

Steinbeschichtung

Verwirrung gibt es mitunter auch bei Antihaftbeschichtungen im Stein-Look. Manchmal liest man bei Händlern, die es nicht ganz so genau nehmen, von „Granitbeschichtung“ oder „Steinbeschichtung“. Doch leider sind diese Bezeichnungen ebenfalls irreführend. Es gibt Antihaftbeschichtungen, die zwar wie Stein aussehen und vielleicht sogar „Gesteinspartikel“ zur Verstärkung enthalten, aber es sind am Ende eben doch klassische Antihaftbeschichtungen auf PTFE-Basis (Beispiel 1).

Es gibt Pfannen, die aus einer Granitplatte bestehen, das hat aber nichts mit Antihaftbeschichtungen zu tun (Beispiel 2).

Olivenölbeschichtung

Auch bei einer „Olivenölbeschichtung“ handelt es sich um eine PTFE basierte Antihaftbeschichtung:

Die Beschichtung besteht aus drei Schichten. Die untere Schicht besteht aus 4% Olivenöl und 96% PTFE

Quelle Illa-cookware.com

PEEK

Polyetheretherketon (abgekürzt PEEK) ist ein hochtemperaturbeständiger thermoplastischer Kunststoff. Im Vergleich zu den herkömmlichen Werkstoffen für Beschichtungen, wie den Fluorpolymeren, kann PEEK höheren Temperaturen ausgesetzt werden, ohne seine mechanischen und physikalischen Eigenschaften zu verlieren. Es handelt sich um ein sehr festes Polymer und die Beständigkeit gegen Abrieb oder Verschleiß ist wesentlich höher als die von Fluorpolymeren. Um gute Antihafteigenschaften zu erhalten werden PEEK-Polymere mit Fluorpolymeren kombiniert (Fluorpolymeradditive). Erkennbar an den Markennamen Rhenolease®, Rhenolub® oder DURAPEK®

Mein Fazit

Ich bin kein Freund von dem Kunststoff PTFE, weder als Pfannenbeschichtung noch in regenabweisender Kleidung. Zudem stört mich, dass es schier unmöglich ist, als Verbraucher bei diesem Thema den Durchblick zu behalten. Zumal zum Teil sogar den Drogerien oder auch den Discounter selbst der Durchblick fehlt und sie keine genauen Angaben über die verwendeten Materialien ihrer Produkte herausgeben können, die sie selbst verkaufen.

Wer Pfannen mit PTFE Antihaftbeschichtung kaufen möchte, sollte darauf achten, dass diese Schadstoffgeprüft und frei von Hilfsstoffen wie PFOA sind. Und noch viel wichtiger: Sachgemäß verwenden!

Wer gänzlich auf PTFE verzichten möchte, sollte bei Regenkleidung auf den Hinweis „PFC frei“ und bei Pfannen auf den Hinweis „PTFE“ frei achten.

Alternative Antihaftbeschichtungen bestehen aus Keramik oder Emaille. Mehr dazu in meinem Pfannen-Check.

2 Kommentare

    • annisbuntewissenschaft

      Hallo Andreas,
      Emaille hat eine geringere Antihaftwirkung als Teflon oder Keramik. Aber bei der Verwendung und Pflege gilt das gleiche, wie auch bei anderen Antihaftbeschichtungen: Milde Reinigung (nicht in die Spülmaschine), geeignete Öle und Schutz vor Erschütterung. Mehr zum Thema Eisenpfannen (Kohlenstoffstahl, Schmiedeeisen, Gusseisen) in meinem Produkt: Alles über Pfannen.
      Liebe Grüße
      Anni

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