Hygiene Baby

Bedenkliche Materialien und Inhaltsstoffe in Feuchttüchern

Mehrmals am Tag müssen wir Eltern die Windeln unserer Kleinen wechseln. Um den Babypo schnell und einigermaßen hygienisch zu säubern, greifen viele zu praktischen Einweg-Feuchttüchern. Das Sortiment ist aktuell kaum noch überschaubar: Jeder bekannte Babykosmetikhersteller, ja sogar jeder Supermarkt und jede Drogerie hat seine eigenen Feuchttücher. Es gibt sie parfümiert, mit Öl, für empfindliche Haut ohne Duftstoffe und sogar Feuchttücher für extrem empfindliche Haut, die auch für Kinder mit Neurodermitits geeignet sind.

Spitze, oder? Und bei einem Produkt, welches für die Haut der Babys konzipiert wurde, kann ich doch davon ausgehen, dass es streng überwacht und geprüft wird. Da sollte ja wohl nichts Schlimmes drin stecken – oder?

Bedenkliche Materialien und Inhaltsstoffe in Feuchttüchern

So einfach ist das leider nicht. Denn es gibt sie: Bedenkliche Inhaltsstoffe, die vielleicht in geringen Mengen (innerhalb der Grenzwerte) eingesetzt werden oder die bei der Herstellung der Tücher verwendet werden und deshalb nicht deklarierungspflichtig sind.

Und die Liste ist lang: Kunststofffasern oder schwer abbaubare Polymere und Silikone, die ein enormes Umweltproblem darstellen. Krebserregende halogenorganische Verbindungen, reizende Konservierungsmittel und Duftstoffe oder Inhaltsstoffe die die Haut durchlässiger für andere Wirk- oder Schadstoffe machen. Die Liste ist lang.

1. Kunststofffasern

Obwohl viele Hersteller gerade dabei sind, abbaubare Feuchttücher aus Pflanzenfasern an den Markt zu bringen, bestehen herkömmliche Feuchttücher aus Kunsstofffasern, wie Polypropylen oder Polyester, die auf der Basis von Erdöl hergestellt werden. Landen sie nicht im Restmüll, gelangen sie Solche Tücher zersetzen sich nicht ohne Weiteres, sondern brauchen dafür zum Teil mehrere hundert Jahre.

Gute Alternativen sind Fasern pflanzlichen Ursprungs wie Viskose oder Lyocell.

Unterteilung nach der Faserstoffart von Feuchttüchern

  • pflanzlichen Fasern wie Baumwollvliesstoff, Flachsfaservliesstoff
  • Chemiefasern aus natürlichen Polymeren pflanzlichen bzw. cellulosischen Ursprungs, wie Viskosefaservliesstoff (Baumwolle, Buchen, Fichten, Eukalyptus, Pinien, Bambus)
  • Chemiefasern aus synthetischen Polymeren, wie Polyestervliesstoff, bei Spinnvliesstoffen oft noch unterteilt in PET (Polyethylenterephthalat)- bzw. PBT (Polybutylenterephthalat)-Vliesstoff, PP (Polypropylen)-Vliesstoff, PA(Polyamid)-Vliesstoff, PE (Polyethylen)-Vliesstoff, Aramidfaservliesstoff, PES(Polyester)-Vliesstoff

Das ist neu: Gemäß der neuen EU-Kunststoffprodukte-Richtlinie (2019) müssen die Hersteller auf den Verpackungen darauf hinweisen, wenn sie Feuchttücher mit herkömmlichen Kunstfasern produzieren. Zusätzlich müssen sie über die negativen Auswirkungen unsachgemäßer Entsorgung informieren und werden an den Kosten von Reinigungsmaßnahmen, Transport und Entsorgung beteiligt (Quelle Umweltbundesamt).

2. Halogenorganische Verbindungen

Halogenorganische Verbindungen oder auch als AOX (Adsorbierbare organisch gebundene Halogene) bezeichnet umfasst eine ganze Stoffgruppe von mehreren tausend Stoffen. Diese organischen Verbindungen besitzen ein oder mehrere Halogenatome, z.B. Fluor, Chlor, Brom oder Jod. Daher das „x“ als Platzhalter.

Einige halogenorganische Verbindungen kommen auch in der Natur vor und gelten als weniger bedenklich. Es gibt aber auch Verbindungen, die als krebserregend gelten oder allergische Reaktionen auslösen können.  Und viele der künstlich erzeugten halogenorganischen Verbindungen gehören zu den besonders gefährlichen Umweltschadstoffen. Vor allem die Klasse der organischen Chlorverbindungen aus dieser Gruppe ist in die Kritik von Umweltverbänden geraten, z. B. Dioxine oder chlorhaltige Pestizide wie DDT und Atrazin. Viele halogenorganische Verbindungen sind persistent, was einen schnellen Abbau zu unproblematischen Stoffen verhindert. Zahlreiche Vertreter dieser Gruppe stehen im Verdacht krebserzeugend zu sein und sind toxisch. Durch ihre gute Fettlöslichkeit wird die Aufnahme und Speicherung der Stoffe in Lebewesen begünstigt.

Im Falle der Feuchttücher könnte es sich laut Öko-Test bei den Verbindungen um Überbleibsel aus der Bleiche des Vliesstoffs handeln. Bei einigen Verfahren setzten die Hersteller möglicherweise noch Chlorverbindungen ein, was die Rückstände erklären könnte. Sie sind als solche nicht auf der Verpackung verzeichnet, weil sie Rückstände der Verarbeitung sind.

3. Konservierungsmittel

Konservierungsmittel in Feuchttüchern verhindern das Wachstum von Bakterien und Schimmelpilzen. Denn die haben es sehr gerne warm und vor allem feucht. Feuchttücher, die zu Hause im Kühlen stehen und sehr schnell aufgebraucht werden benötigen keine Konservierungsmittel. Sind sie jedoch für Unterwegs gedacht, liegen im Wickelrucksack, der gerne in der Sonne steht und werden nur sehr langsam aufgebraucht, ist es von Vorteil, wenn die Feuchttücher Konservierungsmittel enthalten.

Aber Achtung, die Haut der Kleinen kann empfindlich auf Konservierungsmittel reagieren und einen wunden Po verursachen.

Zu den Konservierungsmitteln zählen rund 55 zugelassene Stoffe. Sie sind in der EU-Kosmetikverordnung namentlich aufgelistet und sollen „ausschließlich oder überwiegend die Entwicklung von Mikroorganismen hemmen“.  Manche der zugelassenen Konservierungsmittel sind jedoch bedenklich: So stehen Parabene z.B. im Verdacht, in den menschlichen Hormonhaushalt einzugreifen, Formaldehyd als krebserregend und Methylisothiazolinon gilt als potentielles Allergen.

Liste problematischer Konservierungsmittel in Feuchttüchern:

  • Benzylparabene
  • Formaldehyd
  • Isobutylparabene
  • Methylchlorisothiazolinon
  • Methyldibromoglutaronitril
  • Methylisothiazolinon
  • Methylparabene
  • Phenylparabene

Anmerkung: auch unproblematische Konservierungsmittel können allergische Reaktionen oder Hautreizungen auslösen (Phenoxyethanol, Ethyhexylglycerin, Disodium EDTA, Sodium Benzoate, Benzyl Benzoate, Potassium Sorbate, Dehydroacetic Acid)

4. PEG und PEG-Derivate

Polyethylenglykol (kurz: PEG) ist ein Polymer, welches als Tensid in Feuchttüchern eingesetzt wird, um zu schäumen und reinigen. Als Derivate werden in der Chemie Stoffe bezeichnet, die von einer bestimmten Grundsubstanz abgeleitet wurden. Deshalb weisen sie eine ähnliche Struktur wie die Ausgangssubstanz auf. Alle Derivate des Polyethylenglykols werden mit „PEG“ und einer Zahl angegeben. Diese gibt an, aus wie vielen Moleküleinheiten der Stoff besteht (z.B. PEG-32, PEG-8, usw.).

Polyethylenglykol und PEG-Derivate werden aus Erdöl hergestellt und sind ab einer bestimmten Molekülmasse schwer abbaubar.

Problematik: PEG und PEG-Derivate machen unsere Haut durchlässiger für Wirkstoffe aber auch für Schadstoffe, weshalb sie besonders für bereits gereizte Haut gefährlich sind. In Studien konnten PEGs (bei einer gesunden Haut) keine giftigen oder reizenden Eigenschaften nachgewiesen werden, weshalb sie oft als „gut verträglich“ deklariert werden. In Kosmetika kombinieren Hersteller sie aber oft mit anderen, deutlich schädlicheren Inhaltsstoffen. Diese nimmt unsere Haut dann leichter auf, weil sie durch das PEG durchlässiger wird.

5. Schwer abbaubare Polymere und Silikone

Um einen gelichmäßigen Film auf den Feuchttüchern zu bekommen, setzten einige Hersteller auf filmbildende Inhaltsstoffe. Dazu eignen sich Kunststoffe oder Silikone. Doch leider sind sie eine Belastung für unsere Umwelt. Sie werden meist aus Erdöl hergestellt und sind schwer abbaubar und können als Quelle für Mikroplastik dienen.

Liste schwer abbaubarer Polymere und Silikone:

  • Acrylates Copolymer (AC)
  • Acrylates Crosspolymer ACS
  • Carbomer
  • Cyclomethicone
  • Dimethicone
  • Methicone
  • Nylon-12
  • Nylon-6
  • Polyacrylate (PAK)
  • Polyamide (PA)
  • Polyethylen (PE)
  • Polyethylene glycol (PEG)
  • Polyethylenterephthalat (PET)
  • Polymethylmethacrylat (PMMA)
  • Polypropylen (PP)
  • Polypropylene glycol (PPG)
  • Polyquaternium
  • Polysiloxane
  • Polystyren (PS)
  • Polytetrafluorethylen (PTFE)
  • Polyurethan (PUR)
  • Siloxane

Anmerkung: Ob ein Material biologisch abbaubar ist, hängt nicht von der Rohstoffbasis ab, sondern von der chemischen Struktur des Stoffs. Das bedeutet, dass grundsätzlich auch Kunststoffe aus fossilen Rohstoffen biologisch abbaubar sein können. Andersherum können Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen eine Struktur aufweisen, die eine biologische Abbaubarkeit ausschließt.

6. Duftstoffe:

Duftstoffe sind Moleküle, die über das olfaktorische System (Geruchssinn) wahrgenommen werden. Es handelt sich um flüchtige Substanzen, die sich in der Luft verteilen und dadurch einen spezifischen Geruch verbreiten. Sie zählen nach Nickel zu den zweithäufigsten Auslösern von Kontaktallergien. Etwa jeder Fünfte reagiert mit Allergien oder Unverträglichkeiten auf Produkte mit Duftstoffen. Dabei ist es egal, ob die Duftstoffe synthetischen oder natürlichen Ursprungs sind.

Aufgrund entsprechender EU-Vorschriften sind u. a. 26 Duftstoffe (Tabelle 1) mit allergenem Potenzial seit 2005 deklarationspflichtig, sofern sie eine Konzentration von 0,001 % in „Leave-on-Produkten“ und 0,01 % in „Rinse-off-Produkten“ überschreiten. Handelt sich um eine Beduftung reizarmer Natur bzw. liegt die Konzentration des Duftstoffes unterhalb der Grenzwerte, muss dies lediglich als Parfum, Aroma oder Fragrance in der Inhaltsstoffliste deklariert werden.

Liste deklarierungspflichtiger Duftstoffe nach der  Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 (Artikel 19):

  • Alpha-Isomethyl Ionone
  • Amyl Cinnamal
  • Amylcinnamyl Alcohol
  • Anise Alcohol
  • Benzyl Alcohol
  • Benzyl Benzoate
  • Benzyl Cinnamate
  • Benzyl Salicylate
  • Butylphenyl Methylpropional
  • Cinnamal
  • Cinnamyl Alcohol
  • Citral
  • Citronellol
  • Coumarin
  • Eugenol
  • Evernia Furfuracea Extract
  • Evernia Prunastri Extract
  • Farnesol
  • Geraniol
  • Hexyl Cinnamal
  • Hydroxycitronellal
  • Hydroxyisohexyl 3-Cyclohexene Carboxaldehyd
  • Isoeugenol
  • Limonene
  • Linalool
  • Methyl 2-Octynoate
Welche Feuchttücher frei von bedenklichen Inhaltsstoffen sind, erfahrt ihr im Beitrag: Der große Feuchttücher-Check

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