Was hilft beim Zahnen: Zahnungsgele & Beißringe im Check
Der Durchbruch des ersten Zähnchens ist für Eltern ein spannender Moment – ein kleiner, aber bedeutender Entwicklungsschritt. Während manche Babys das Zahnen fast unbemerkt hinter sich bringen, leiden andere deutlich darunter: Sie sind quengelig, unruhig und weinen viel. Für diese Kinder kann der Prozess sehr schmerzhaft sein. Doch welche Maßnahmen lindern die Beschwerden tatsächlich?
Zahnungsgele/Öle
Zahnungsgele oder -öle sind Produkte, die auf das Zahnfleisch (oder äußerlich auf die Wange) aufgetragen werden. Sie sollen Beschwerden beim Zahnen lindern.
Im Handel gibt es verschiedene Arten:
- Arzneimittel mit betäubenden Inhaltsstoffen wie Lidocain oder pflanzlichen Zusätzen
- Kosmetika für die Mundhöhle, die „pflegen“ oder „beruhigen“ sollen,
- sowie Gele und Öle zur äußeren Anwendung auf der Wange.
Die Wirksamkeit von Zahnungsgelen ist wissenschaftlich nicht belegt. Im Mund werden sie schnell vom Speichel weggespült und geschluckt, sodass ein möglicher Effekt nur kurz anhält. Häufiges Nachschmieren erhöht zudem das Risiko einer Überdosierung der Wirkstoffe.
Zudem enthalten viele Produkte bedenkliche Inhaltsstoffe wie Lidocain, Alkohol, Propylenglykol oder Benzoesäure.
Zahnungsgele im Test
ÖKO-TEST hat in Ausgabe 09/2025 15 verschiedene Zahnungsgele und -öle getestet.
Ergebnis: Viele Produkte enthalten bedenkliche Inhaltsstoffe, und selbst die beste Bewertung war nur „befriedigend“, da die Wirksamkeit der Zahnungsgele und -öle wissenschaftlich nicht belegt ist.
ÖKO-TEST hat in Ausgabe 09/2025 15 verschiedene Zahnungsgele und -öle getestet.
Ergebnis: Viele Produkte enthalten bedenkliche Inhaltsstoffe, und selbst die beste Bewertung war nur „befriedigend“, da die Wirksamkeit der Zahnungsgele und -öle wissenschaftlich nicht belegt ist.
Probematische Inhaltsstoffe:
- Alkohol – belastet Leber und Nervensystem, besonders gefährlich für kleine Kinder.
- Benzoesäure (Benzoic Acid) – Babys unter 2 Jahren können sie kaum abbauen; Risiko für das Nervensystem.
- Duftstoffe (z. B. Linalool, Pfefferminzöl, Nelkenöl) – reizend oder allergieauslösend, bei Babys sehr empfindlich.
- Lidocain: Wirksamkeit beim Zahnen nicht wissenschaftlich gesichert; kann bei Verschlucken riskant sein (Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Atemprobleme)
- Maltodextrin: kann Karies fördern
- Propolis – potenziell allergen, bei sehr jungen Babys nicht empfohlen.
Homöopathie
Als homöopathische Mittel werden Zahnungszäpfchen oder Globuli hergestellt, die beruhigend wirken sollen, wie zum Beispiel Viburcol-Kinderzäpfchen oder Osanit Streukügelchen.
Wissenschaftlich gibt es jedoch keinen belegbaren Effekt dieser Mittel auf Schmerzen oder Unruhe bei Babys. Die Wirkstoffe sind so stark verdünnt, dass keine pharmakologisch relevante Konzentration vorliegt.
Im Grunde handelt es sich bei den Globuli um kleine Xylitkügelchen und bei den Zäpfchen um einen Fettträger, die jeweils die homöopathischen Substanzen enthalten.
Ein beruhigender Effekt beruht daher vor allem auf der Zuwendung der Eltern und psychologischen Faktoren, also dem nachweislich wirksamen Placebo-Effekt.
Veilchenwurzel & Bernsteinkette
Bernsteinketten
Bernsteinketten werden oft als Zahnungshilfe eingesetzt, weil angenommen wird, dass durch Körperwärme ätherische Öle freigesetzt werden, die das Zahnfleisch beruhigen. Wissenschaftliche Belege dafür fehlen jedoch. Zudem besteht ein hohes Sicherheitsrisiko: Babys können sich an der Kette strangulieren oder einzelne Steinchen verschlucken. Wer sie dennoch verwenden möchte, sollte das Kind ständig im Blick behalten und die Kette nachts abnehmen.
Veilchenwurzel
Veilchenwurzeln enthalten ätherische Öle und einen angenehmen Geruch, was Babys reizen und zum Kauen anregen kann. Beim Kauen wird die Wurzel weich und massiert das Zahnfleisch. Ein nachgewiesener Effekt gegen Zahnungsschmerzen existiert jedoch nicht. Außerdem besteht Verschluckungsgefahr, und die Wurzeln können Keime enthalten. Deshalb sollte das Kind nie unbeaufsichtigt kauen und die Wurzel nach jedem Gebrauch auf Bruchstellen kontrolliert werden.
Sowohl Bernsteinketten als auch Veilchenwurzeln haben keinen wissenschaftlich belegten Nutzen beim Zahnen.
Beißringe
Beißringe sind ein bewährtes Hilfsmittel beim Zahnen. Das Kauen darauf kann den Druck und das Spannungsgefühl im Kiefer mindern und dadurch die Schmerzen lindern.
Öko-Test prüfte in den Ausgaben 02/2020 und 08/2024 Beißringe auf Sicherheit und Schadstoffe. Die folgenden Produkte wurden als unbedenklich eingestuft und enthalten keine problematischen Inhaltsstoffe:
- Babydream Kühlbeißring, Elefant (Rossmann)
- Babylove 2in1 Beißring, Stern (dm)
- Babylove Beißring, Pinguin, blau (dm)
- Baby Einstein Teether-Pillar
- Baby-Nova Holz-Silikon-Beißring
- Beauty Baby Silikon Beißring, rosa-blau (Müller)
- Bio-Beißring, Elefant
- Dentistar Kühlbeißstern, gelb-weiß
- Efie Greifling/Beißring, gelb
- Lässig Greifling Little Universe
- Little Wonder Beißring Löwe
- MAM Bite & Relax Phase 2 Mini Teether
- MAM Cooler Beißring (MAM)
- Mini Steps Baliba Babys Lieblingsball, grün (Ravensburger)
- Nip Play Green Beißring
- Nuk Extra Cool Beißring, Fisch, grün
- Philips Avent Beißring Elefant, grün-hellblau
- Sophie la girafe Beißringe
Quellen: babyartikel.de, iww.de, wunderweib.de
Hier gehts zur Liste mit empfohlenen Beißringen (Affiliate Link)

Was wirklich hilft
Massieren & Ablenken:
Sanft die Kauleiste mit der sauberen Fingerkuppe massieren. Kuscheln, Spielen und Nähe schenken beruhigt zusätzlich.
Nähe & Geborgenheit: Viel Körperkontakt und Trost geben dem Kind Sicherheit in dieser anstrengenden Phase.
Kühle Linderung: Ein sauberer, angefeuchteter Waschlappen aus dem Kühlschrank oder ein gekühlter Beißring beruhigen das Zahnfleisch. (Nicht ins Gefrierfach legen!)
Wenn nichts hilft: Bei starken Schmerzen und nach Rücksprache mit der Kinderärztin/dem Kinderarzt kann vorübergehend ein Schmerzmittel eingesetzt werden.
Wichtiges zum Schluss
- Zahnungsgele und -öle: Wissenschaftlich gibt es keinen belegten Nutzen. Sie werden schnell vom Speichel weggespült und geschluckt, mögliche Wirkstoffe liegen meist in zu geringer Konzentration vor. Viele Produkte enthalten bedenkliche Inhaltsstoffe wie Alkohol, Benzoesäure oder Duftstoffe.
- Homöopathische Mittel: Enthalten keine wirksamen Substanzen, wirken maximal psychologisch oder über den Placebo-Effekt.
- Veilchenwurzeln und Karotten: Werden oft empfohlen, sind aber riskant. Es besteht Verschluckungs- und Keimgefahr, und Karotten können beim Nagen Splitter abgeben.
- Beißringe: Echte Hilfe beim Zahnen, da Kauen Druck auf das Zahnfleisch mindert. Kühlbare Varianten können zusätzlich das Zahnfleisch beruhigen.
- Veilchenwurzel & Bernsteinkette: oft empfohlen, aber keine belegte Wirkung; zudem Sicherheitsrisiken (Verschlucken, Strangulation, Keimbildung).
- Wenn das Kind trotz allem starke Schmerzen hat, sollten Eltern nach Rücksprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt nicht zögern, ein geeignetes Schmerzmittel zu geben.
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