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Inhaltsstoffe von Säuglingsmilch

Viele waren nach meinem Beitrag über Schadstoffe in Säuglingsmilch erschrocken und verunsichert. Ich kann euch versichern, Säuglingsmilch besteht nicht nur aus Schadstoffen, sie enthält auch lebensnotwendige Nährstoffe, die Kuhmilch oder andere Alternativen NIEMALS ersetzen können (Ausnahme Muttermilch).

Säuglingsmilch ist die einzige Alternative zu Muttermilch

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war eine Amme die einzig sichere Alternative zum Stillen. Ein Grund dafür ist, dass jede Spezies eine einzigartige Zusammensetzung ihrer Milch hat.

Viele Eltern fragen, warum sie ihr Baby nicht einfach mit normaler Kuhmilch füttern können. Die Antwort ist einfach: Junge Säuglinge können Kuhmilch nicht so vollständig oder leicht verdauen, wie sie die Formel verdauen. Der Grund dafür ist, dass jede Spezies eine einzigartige Zusammensetzung ihrer Milch hat. Kuhmilch und Muttermilch ähneln sich zwar in ihren Inhaltsstoffen, nicht aber in ihrer prozentualen Zusammensetzung:

Beide bestehen zu 88% aus Wasser, aber Muttermilch enthält 7% Kohlenhydrate, 1,3% Eiweiß und 4,1% Fett. Kuhmilch enthält etwa 4,5% Kohlenhydrate, 3,3% Eiweiß und 3,9% Fett [1].

Kuhmilch enthält mehr Eiweiß als Muttermilch, da Kälber schneller wachsen müssen. Die hohe Konzentrationen an Eiweiß und Mineralien können jedoch die unreifen Nieren eines Neugeborenen belasten. Darüber hinaus fehlen Kuhmilch die richtigen Mengen an Eisen, Vitamin C und anderen Nährstoffen, die Säuglinge benötigen.

Damit sich das Gehirn und ihre Nerven eines Säuglings schnell entwickeln können, müssen bestimmte Proteine, Mineralien und Fettarten vorhanden sein. Diese sind jedoch in Kuhmilch nicht verfügbar oder können von Säuglingen nicht verwertet werden. Die Proteine, Vitamine und Mineralien in Säuglingsmilch wurden daher so aufbereitet, damit sie leichter verdaulich sind.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hat sich in der Analytik der Muttermilch und der Entwicklung von Säuglingsnahrung einiges getan und wir können froh sein, dass wir Zugang zu solch einer Alternative haben.

Das steckt in Säuglingsmilch:

Säuglingsmilch besteht hauptsächlich aus:

  • Wasser (etwa 88 %)
  • Kohlenhydrate: sie liefern die Energie
  • Proteine (Eiweiße) wie Carnitin (essentielle Rolle im Energiestoffwechsel beim Transport von Fettsäuren, eine Aminosäureverbindung ist erforderlich, um Fettsäuren als Energiequelle verwenden zu können), Cholin oder Taurin (Entwicklung des Zentralnervensystems und der Herzfunktion)
  • Fette und Fettsäuren: Wie z. B. die mehrfach ungesättigten Fettsäuren LCP’s (long-chain polyunsaturated fatty acids), insbesondere Arachidonsäure (kurz AHA, Omega-6-Fettsäure) und Docosahexaensäure (kurz DHA, Omega-3-Fettsäure), die einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns, des Zentralnervensystem und der Netzhaut des Auges haben, jedoch vom Organismus nicht ausreichend selbst gebildet werden können. Aber auch Linolsäure (Omega-6-Fettsäure) und Alpha-Linolensäure (Omega-3-Fettsäure) gehören zu den Fettsäuren.
  • Mineralstoffe: Sie spielen eine wichtige Rolle im Stoffwechsel, beim Wachstum oder bei der Blutbildung oder im Zusammenspiel von Nerven und Muskeln. So regulieren beispielsweise Natrium und Kalium den Wasserhaushalt unseres Körpers. Calcium sorgt für feste Knochen und Zähne. Eisen ist wichtig für die Blutbildung. Und Jod hält die Funktion der Schilddrüse aufrecht.
  • Vitamine: Sind essentielle Stoffe (essentiell bedeutet, dass der Organismus es nicht selbst herstellen kann), die unser Körper für viele unterschiedliche Stoffwechselprozesse benötigt.
  • Aminosäuren: Sie dienen vor allem dem Aufbau von Körpergewebe und sind zudem die Endstufen des Eiweißabbaus. Essentielle Aminosäuren kann ein Organismus nicht selber herstellen, sie müssen daher mit der Nahrung aufgenommen werden. Aminosäuren kommen in allen Lebewesen vor.
  • Ballaststoffe: Präbiotika sind Ballaststoffe bzw. unverdauliche Bestandteile aus der Nahrung, die durch körpereigene Enzyme nicht abbaubar sind. Dazu gehören unter anderem Fructooligosaccharide (FOS) und Galactooiligosaccharide (GOS). Präbiotika dienen Probiotika (den gesunden Darmbakterien) als Nahrung. FOS oder GOS dürfen der Säuglingsanfangsnahrung zugesetzt werden (optionaler Inhaltsstoff).
  • Nukleotide (optional)

Die Inhaltsstoffe in Säuglingsnahrung sind gesetzlich geregelt

Die Zusammensetzung, Rückstandshöchstmengen und Etikettierung von Säuglingsmilchnahrungen und sind innerhalb der Europäischen Union einheitlich geregelt, damit gewährleistet wird, dass alle in Europa zugelassenen Säuglingsmilchnahrungen, unabhängig von Marken und Preisen, einen im gesetzlichen Rahmen vorgeschriebenen Gehalt an Energie und Nährstoffen aufweisen.

Die konkreten Angaben sind für Anfangs- und Folgenahrungen in der delegierten Verordnung (EU) 2016/127 [2], sowie für Säuglingsnahrungen für besondere medizinische Zwecke in der delegierten Verordnung (EU) 2016/128 [3] zu finden.

Anforderungen an die Zusammensetzung von Säuglingsanfangsmilch (Pre) findet sich in Anhang I, für Folgenahrung in Anhang II

Säuglingsanfangsnahrung muss den Zusammensetzungsanforderungen des Anhangs I genügen, wobei die Werte
für die unverzichtbaren und bedingt unverzichtbaren Aminosäuren gemäß Anhang III zu berücksichtigen sind.

Folgenahrung muss den Zusammensetzungsanforderungen des Anhangs II genügen.

DELEGIERTE VERORDNUNG (EU) 2016/127 DER KOMMISSION
vom 25. September 2015 [2]

Wie finde ich heraus, ob alle wichtigen Inhaltsstoffe in meiner Säuglingsanfangsmilch enthalten sind?

Ich möchte euch zeigen, wie ihr – auch ohne die Verordnung studieren zu müssen – selbst überprüfen könnt, ob alle wichtigen Inhaltsstoffe in euer Säuglingsmilch enthalten sind:

Was ihr dafür benötigt?

  • Die Zutatenliste eures Milchpulvers (in Bild 1 oben)
  • Die Nährstoff-Liste eures Milchpulvers (In Bild 1 mittig)
  • und meine Checkliste (DOWNLOAD)
Die Zutatenliste und Nährstofftabelle befindet sich auf der Verpackung des Milchpulvers (Bildquelle: loewenzahnorganics.com)

Anmerkung: Ich werde in den folgenden Abschnitten nur auf die Zusammensetzungsanforderungen von Säuglingsanfangsmilch eingehen (EU-Verordnung Anhang I [2]). Die Angaben für die Folgenahrung findest du im Anhang II [3]).

Das wichtigste in Kürze:

Was MUSS rechtlich enthalten sein:

  • Energie: Brennwert zwischen 60 kcal und 70 kcal
  • Kohlenhydrate: zwischen 9 g/100 kcal und 14 g/100 kcal
  • Fett: zwischen 4,4 g/100 kcal und 6 g/100 kcal
  • Proteine: L-Carnitin (neu, vorher optional) und Cholin
  • Essentielle Aminosäuren
  • Docosahexaensäure* (DHA): Auch zu finden in „Fischöl“ oder „Öl aus der Mikroalge Schizochytrium sp“ (hoher Anteil an DHA)
  • Mineralstoffe
  • Vitamine
  • Inositol

Was KANN rechtlich enthalten sein, muss aber nicht:

  • Ballaststoffe/Prebiotika: Fructooligosaccharide (FOS) oder Galactooiligosaccharide (GOS), sowie Lacto-N-Neotetraose
  • Präbiotika (Bakterienkulturen) wie z.B. Lactobacillus
  • Arachidonsäure (AHA, ARA, AA): In vielen Produkten nicht speziell gelistet, zu finden in der Zutat „Öl aus Mortierella alpina“ oder „Öl aus der Mikroalge Schizochytrium sp“ (EPA, als Ausgangsstoff für ARA) *
  • Taurin
  • Nukleotide wie Cytidin-, Uridin-, Adenosin- oder Guanosinmonophosphat

Was DARF rechtlich NICHT enthalten sein:

  • Sesamöl
  • Baumwollsaatöl
  • Pestizide
  • Mineralöl- oder Desinfektionsmittel-Rückstände sind hier nicht rechtlich festgehalten. Dazu mehr im Beitrag Schadstoffe in Säuglingsnahrung

Der Check anhand eines Produktbeispieles:

In folgendem Dokument habe ich einen Check anhand der Checkliste durchgeführt, ihr könnt es euch kostenlos downloaden. Im großen Check habe ich 54 Säuglingsanfangsnahrungen auf ihre Inhaltsstoffe untersucht.

Quellen

[1] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21335987/

[2] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32016R0127&qid=1573219489049&from=EN

[3] https://op.europa.eu/en/publication-detail/-/publication/b2d05cd8-c97e-11e5-a4b5-01aa75ed71a1/language-de/format-PDFA1A

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