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Warum weißeln Sonnencremes

Sonnenschutz ist wichtig. Und auf der Suche nach DER perfekten Sonnencreme hat man als Verbraucher die Qual der Wahl. Ein für viele wichtiges Kriterium bei der Wahl: Wie stark weißelt sie. Aber was genau ist dieser Weißel-Effekt und warum weißeln manche Sonnencremes weniger oder überhaupt nicht?

Der Weißel-Effekt

Man unterscheidet beim Sonnenschutz zwischen organischen (chemisch wirkenden) und anorganischen (mineralisch/physikalisch wirkende) Lichtschutzfiltern. Organische UV-Filter ziehen in die Haut ein und wandeln dort die UV-Strahlung in Wärme (Infrarot) um (mehr zum Thema UV-Filter in meinem Beitrag HIER). Sonnenschutzmittel mit anorganischen UV-Filtern enthalten Partikel, die das Licht reflektieren, absorbieren und streuen. Und genau diese Partikel verursachen das Weißeln, also weiße Rückstände auf der Haut. Die Farbe weiß bedeutet, dass das gesamte sichtbare Spektrum (und in diesem Fall auch das nicht sichtbare UV-Spektrum) total reflektiert wird. Unser Auge erkennt diese Reflektion als weiß (schwarz bedeutet dass das gesamte Licht absorbiert wird und nichts reflektiert wird).

Info: In der Physik ist eine Farbe sichtbares Licht mit einer bestimmten Wellenlänge. Schwarz und Weiß sind keine Farben, da sie keine bestimmten Wellenlängen haben. Doch was ist nun in einer Tube mit schwarzer Farbe? Tja, in diesem Falle sind Schwarz doch eine Farbe, wenn es sich um Farbpigmente oder greifbare Gegenstände handelt. Man kann sie beispielsweise aus mehreren Farben zusammenmischen. Weiß jedoch kann man nicht durch Mischen anderer Farben herstellen. Weiß als Pigmentfarbe besteht meist aus gemahlene Substanzen (wie Kreide oder Knochen) oder Mineralien (Titan oder Zink).

Sonnenschutz ohne Weißeln

Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, ein Weißeln von Sonnenschutzmitteln zu verhindern:

Fall 1: Deine Sonnencreme enthält organische UV-Filter: Die UV-Filter ziehen in die Haut ein und wandeln dort UV-Strahlen in Wärme um. Kein Weißeln.

Fall 2: Deine Sonnencreme enthält anorganische UV-Filter in Nanoform (Nanopartikel): Die Partikel sind also so klein, dass wir sie mit unserem Auge nicht mehr sehen können. Die gesundheitlichen Auswirkungen von Nanopartikeln sind bislang umstritten, da Langzeitstudien fehlen.

„Nanopartikel, die als UV-Filter in Sonnenschutzmitteln eingesetzt werden, müssen vom wissenschaftlichen Expertengremium der EU-Kommission SCCS bewertet werden. Der Kontakt von Nanopartikeln mit der Haut ist zudem gut untersucht. Studien belegen, dass zum Beispiel Nano-Titandioxid in den Formen, wie sie in kosmetischen Mitteln verwendet werden, nicht in den menschlichen Blutkreislauf eindringen kann. Auf Grundlage der verfügbaren Erkenntnisse kam das SCCS zu dem Schluss: Gesundheitliche Risiken sind bei Nano Titandioxid als UV-Filter in einer Konzentration von bis zu 25 Prozent in Sonnenschutzmitteln unwahrscheinlich. Dies gilt bei gesunder, intakter und sonnenverbrannter Haut. Menschen, deren Haut krankheitsbedingt (Allergiker, Akne, Neurodermitis) geschädigt ist, sollten sich mit einem Facharzt abstimmen. Das SCCS hat seine Schlussfolgerung auf Anwendungen (z. B. Cremes, Lotionen) beschränkt, die nicht zu einer Exposition der Lunge durch Inhalation führen.“

Bundesinstitut für Risikobewertung [1]

Fall 3: Eine verbesserte Formulierung des mineralisch wirkenden Sonnenschutzmittels. Die verwendeten Partikel sind so klein wie möglich, aber noch so groß wie nötig.

Info: Sonnenschutzmittel mit anorganischen/mineralischen UV-Filtern enthalten natürlicherweise Partikel in allen Größen. Ganz ohne Nanopartikel ist also keine dieser Sonnenschutzmitteln. Ist der Anteil der enthaltenen Nanopartikel (also Partikel kleiner als 100 nm) über 50% muss dies als NANO in der INCI Liste aufgeführt sein.

Fall 4: Deine Sonnencreme enthält bestimmte Öle oder tönende Farbpigmente (Farbstoffen, meist in getönten Sonnenschutzmitteln fürs Gesicht).

Mineralischer Sonnenschutz ohne Weißeln

Mittlerweile gibt es auch Sonnenschutzmittel mit anorganischen (mineralischen) mit geringem oder fast keinem Weißeln (ein geringes weißeln ist unumgänglich). Aber wie kann das sein, ohne dass Nanopartikel enthalten sind? Die verwendeten Partikel sind so klein wie möglich aber noch so groß wie nötig. Zusätzlich können sie mit bestimmten Materialien ummantelt werden, mit bestimmten Ölen oder tönenden Inhaltsstoffen kombiniert werden.

Das Geheimnis liegt darin, dass nicht nur der Anteil mineralischer Filter das Ergebnis beeinflusst, sondern auch das Gesamtkonzept der Formulierung stimmen muss. Dabei spielt die Auswahl der richtigen Rohstoffe, wie beispielweise der Wirkstoffe und Öle, eine ebenso wichtige Rolle wie der UV-Filter selbst.

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Grundsätzlich gilt: LSF 30 weißelt weniger als LSF 50, da bei höherem LSF mehr mineralische Partikel vorhanden sind.

Info: Mineralische Sonnenschutzmittel lassen sich auch oftmals schlechter verteilen, da die mineralischen Partikel das Sonnenschutzmittel sehr zäh machen. Hier am besten auf eine Milch anstatt einer Creme zurückgreifen.

Mineralische Sonnencremes, die weniger weißeln

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Mehr zum Thema Duftstoffe in diesem Beitrag HIER

Mein Fazit: Lieber weiß statt rot!

Ich verstehe es, wenn einen das Auftragen und Verteilen einer zähen mineralischen Sonnencreme stört. Gerade bei Kindern, die es eh schon nicht mögen, dass sie eingecremt werden, kann das schnell in einem Drama enden. Was ich aber nicht verstehe, ist es, wenn es jemanden stört, dass Kinderhaut im Sommer weiß ist. Lasst euch bitte nicht vom Weißeln der Cremes stören! Viele tragen auf Grund des Weißel-Effektes viel zu wenig vom Sonnenschutzmittel auf, damit sie nicht ganz so weiß sind. Das sieht dann zwar „besser“ aus (weil nicht so weiß), ist jedoch sehr gefährlich, da dann ein Schutz vor der UV-Strahlung nicht mehr gewährleistet ist.

Viele Hersteller arbeiten daran, ein Weißeln zu reduzieren, jedoch werden immer weiße Rückstände zu sehen sein. Reine Physik.

Ich sehe das so: Wenn ich mein Kind (oder mich) eincreme sehe ich anhand der weißen Rückstände, wo ich noch geschützt bin oder ob es noch eine ungeschützte Stelle gibt, die ich vergessen habe, einzucremen.

Quellen

[1] https://www.bfr.bund.de/cm/343/sonnencreme-und-co-gibt-es-gesundheitliche-risiken.pdf

Ein Kommentar

  • Roseta

    Liebe Anni,

    Toller Post! Wie immer super informativ und rigoros, vielen lieben Dank!

    Ich muss aber auch sagen, dass ich mit deinem Fazit nicht einverstanden bin. Rot ist natürlich sehr schlecht, aber weiß wie eine Kalkleiche ist für mich ein absolutes Nogo. Ich komme aus Spanien, wo auf das Tragen von hochwertigen Sonnencremen sehr geachtet wird (besonders wichtig für Kindern) und dort wurde praktisch kein Mensch so eine starke weißende Sonnencreme benutzen/kaufen… es gibt genug Marken mit der verbesserte Formulierung und Fasching ist in Februar, nicht in Sommer! 😉

    LG aus dem Süden,
    Roseta

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